Dani

Daniela ist promovierte Germanistin und freie Journalistin für verschiedene Magazine. Den Lady-Blog gründete sie nach einem Praktikum bei einem Berliner Start-up im Jahr 2010.
„Das Gefühl, so ein dickes Hochglanzmagazin in der Hand zu halten, faszinierte mich.“

Auf der letzten Berliner Fashion-Week bin ich Jonas Huckstorf über den Weg gelaufen. Der 18-jährige Jungfotograf war zum ersten Mal auf der Modewoche der Hauptstadt unterwegs und hatte sich schon allerhand Aufträge geangelt. Mich faszinierte seine Motivation und sein Drang, etwas großes Schaffen zu wollen. Wer weiß, vielleicht wird aus ihm ja einst ein deutscher Helmut Newton? Seine Arbeiten könnt Ihr Euch auf Facebook und seinem Blog ansehen.

Lieber Jonas, erzähl mal ein bisschen was über Dich. Woher kommst Du, wie alt bist Du?

Ich komme aus Rostock, einer Hansestadt in Mecklenburg-Vorpommern. Man kann sie wohl als Ballungszentrum der Künste in einer sonst strukturschwachen Region bezeichnen. Rostock hat einige namhafte Künstler hervorgebracht und durch ihren maritimen Charakter hat die Stadt einen ganz eigenen Charme. Rostock ist Studentenstadt und punktet auch mit einem regen Nachtleben. Vor zwei Monaten bin ich 18 geworden. Ich dachte, dann beginnt ein komplett neuer Lebensabschnitt aber es hat sich nichts geändert, nur dass ich nun nicht mehr auf fremde Ausweise angewiesen bin. Ansonsten bin ich derselbe Mensch geblieben.

Was meinst Du, woher Deine Leidenschaft für Fotografie und Mode stammt?

Im Alter von 12 oder 13 Jahren habe ich angefangen mein Taschengeld für VOGUE-Magazine zu sparen. So konnte ich jeden Monat die neueste Ausgabe kaufen. Das Gefühl so ein dickes Hochglanzmagazin in der Hand zu halten, faszinierte mich. Ich denke diese unzähligen Magazine schulten mein Auge, inspirierten mich und die Entwicklung meiner eigenen Ästhetik. Außerdem hat mich das Reisen geprägt. Länder und Städte, die dort lebenden Menschen, ihre Mentalität und Kultur beeindruckten mich. Am meisten aber ihre Unterschiede. So sind auch die ersten Fotoaufnahmen entstanden. In den Straßen fing ich an, heruntergekommene Fassaden, Blumentöpfe und alte Menschen zu fotografieren…

… die sind heute aber nicht mehr Dein vorrangiges Fotomotiv.

Stimmt, vor ungefähr anderthalb Jahren mussten schließlich meine Freundinnen daran glauben. Mit einfachen Mitteln habe ich mir im Keller einen Raum eingerichtet. Umringt von furchtbar heißen Bauscheinwerfern haben wir immer öfter und viel ausprobiert und experimentiert. Mittlerweile bekomme ich ein Atelier von einer Inhaberin eines Rostocker Geschäfts zur Verfügung gestellt, worüber ich sehr glücklich bin.

Wir haben uns auf der Fashion Week kennengelernt – wie bist Du dazu gekommen?

Eine Bekannte, die eine renommierte Architektin ist, hat mich vorher gewarnt, dass in diesem Business vieles nur über Kontakte geht. In den Monaten davor habe ich einige Fotografen kontaktiert, deren Arbeiten mich besonders ansprachen und fragte sie, ob es möglich wäre, sie beim Arbeiten zu begleiten. Die meisten antworteten nicht. Das spornte mich an. Unter denjenigen, die mir antworteten, war zum Beispiel die Creative Beauty Company (CBC). Cécilia Bourgueil die Gründerin der CBC und ihre Assistentin waren begeistert von der Idee, mich in ihre Arbeit auf den zahlreichen Shows und Events einzubinden. Als Backstagefotograf hatte ich zum ersten Mal die Möglichkeit, Künstler, Models, Make-up-Artists, Designer und auch andere Fotografen kennenzulernen und mich mit ihnen auszutauschen.

Wow, das klingt toll. Wen hast Du denn alles kennengelernt?

Besonders interessant war es, James Vincent zu treffen. Er ist ein großartiger Make-up-Artist aus New York, der schon mit Größen wie Lady Gaga arbeitete. Dass ich dann noch von der Designerin Silke Wilhelm als offizieller Fotograf für ihre Show engagiert wurde, hat mich wahnsinnig gefreut. Kilian Kerner lud mich ebenfalls zu seiner Show ein. Für ein Lookbook-Shooting seiner aktuellen Kollektion war ich einige Wochen zuvor als Assistent tätig. Malaika Raiss, Barre Noire, Rebekka Ruetz, Marc Philippe Couture und die Marc Jacobs Show „Designer for tomorrow“ habe ich ebenfalls besucht.

Für Dich geht im nächsten Jahr das Studium los – die Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig (HGB) und der Letteverein in Berlin stehen im Moment in der engeren Auswahl. Wie schwer ist es an einer Kunsthochschule aufgenommen zu werden und welche Voraussetzungen muss man erbringen?

Man bewirbt sich in der Regel mit einem Portfolio, der sogenannten „Mappe“. Sie soll ein möglichst weites Spektrum an Arbeiten enthalten und vor allem Deine Persönlichkeit repräsentieren, Deinen Stil und die vielleicht schon vorhandene Philosophie hinter den Aufnahmen. Neben diesem Portfolio ist es wichtig, nicht nur ein Gespür für die Kunst, sondern auch für die Menschen zu haben. Meiner Meinung nach spielt der psychologische Aspekt eine unheimlich große Rolle in der Fotografie. Verstehst Du die Menschen nicht, die Du ablichtest, ist es schwierig ein und dieselbe Person auf Deiner Aufnahme wiederzufinden.

Zum Schluss: Hast Du ein fotografisches Vorbild?

Ich bewundere Juergen Teller, Mario Testino, Ellen von Unwerth und Helmut Newton, allesamt Modefotografen. Das Ziel Helmut Newtons war es, die Frau in ihrer Vollkommenheit und losgelöst aus den Zwängen abzulichten. Das hat mich überzeugt.

Alle Fotos: Jonas Huckstorf

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