Dani

Daniela ist promovierte Germanistin und freie Journalistin für verschiedene Magazine. Den Lady-Blog gründete sie nach einem Praktikum bei einem Berliner Start-up im Jahr 2010.
Das Adlon – eine Familiensaga

Mit der Adlon-Familiensaga ist dem ZDF ein großer Coup gelungen. Der dreiteilige deutsche Fernsehfilm wurde am 6., 7. und 9. Januar ausgestrahlt und er zeigt nicht nur die Geschichte eines Hotels, sondern er ist auch ein Spiegelbild der deutschen Vergangenheit vom Kaiserreich über die NS- und DDR-Zeit bis heute. Produzent Oliver Berben schuf ein Filmdrama, das historische Gewänder und große Gesten vor einer luxuriösen Kulisse vereint. Erzählt wird die Geschichte der Familie Adlon und einer zweiten, fiktiven Familie Schad. Noch läuft der Film in der ZDF-Mediathek.

Über 25 Millionen Zuschauer schauten den Fernsehfilm

Um die zehn Millionen Euro hat das ZDF in die Familiensaga rund um das Luxushotel Adlon investiert und konnte hervorragende Schauspieler wie Heino Ferch, Josefine Preuß, Marie Bäumer, Burghart Klaußner, Wotan Wilke Möhring und Ken Duken gewinnen. Daneben wirkten über 2000 Komparsen an der Hotelsaga mit. Die Investition hat sich gelohnt: Über 25 Millionen Zuschauer sahen sich die 3-teilige Familiensaga an. Hotelbuchungen haben sich seit der Ausstrahlung vervierfacht, hinzu kommen an die 200 Anfragen nach Führungen durch das Gebäude. Ich verstehe dieses Interesse am Haus und seiner Geschichte sehr gut. Allerdings hat das heutige Adlon am Pariser Platz nur noch wenig mit dem Originalgebäude zu tun. Es handelt sich um einen Neubau, der nicht mehr der Gründerfamilie gehört, sondern dem Kempinski-Konzern. Von Kempinskis in anderen Städten unterscheidet es sich kaum.

Das Adlon war Mittelpunkt der Berliner Gesellschaft

Das war einmal anders. Lange Jahre war das Adlon die wichtigste Adresse in Berlin, beherbergte Könige, Kaiser, reiche Touristen und Weltstars wie Greta Garbo oder Charlie Chaplin. Es war der Mittelpunkt der Berliner Gesellschaft. Vor allem in den Goldenen 20ern zog es Künstler aus aller Welt an. Marlene Dietich wurde sogar im Adlon entdeckt und für ihre Rolle in „Der blaue Engel“ engagiert. Doch auch Diskretion war immer hoch geschrieben, schließlich lautet das Motto der Familie: Adlon Oblige, also Adlon verpflichtet. Auf diese Weise konnte der eine oder andere Gast ungesehen im Hotel absteigen. Kaiser Wilhelm II. soll sich sogar zu einem Schäferstündchen im Luxushotel eingefunden haben. Eröffnet wurde das Hotel von Lorenz Adlon am 24. Oktober 1907. Kaiser Wilhelm höchstpersönlich verschaffte ihm Zugang zu Krediten über 15 Millionen Mark – allein fünf Millionen flossen in die Inneneinrichtung.

Die Geschichte des Hotels endet 1984

Neben Marmor-Säulen, luxuriösen Stoffen und Intarsien aus Elfenbein zeichnete sich das Hotel jedoch auch durch seine Fortschrittlichkeit aus: Jedes Zimmer verfügte über Elektrizität, warmes Wasser und ein Telefon. Das Adlon überlebte viele Umbrüche und Katastrophen der deutschen Geschichte – der erste Weltkrieg und die Hyperinflation der Weimarer Republik konnten dem Hotel nichts anhaben. Auch den zweiten Welkrieg und das Bombardement der Alliierten überstand das Luxushotel. Nachdem es zum Ende des Krieges als Lazarett diente, legte ein Brand das Gebäude jedoch nach Kriegsende 1945 in Schutt und Asche. Einen Seitenflügel nutzte man noch bis in die 80er Jahre. Doch auch dieser historische Teil des Hotels wurde 1984 im Rahmen der DDR-Propaganda-Aktion „Verschönerung der Grenze“ abgerissen.

Im Jahr 1997 wurde das Adlon nach historischen Vorbild an der gleichen Stelle wiederaufgebaut. Es besteht heute aus 300 Zimmern und 80 Suiten. Für das Executive Zimmer zahlt Ihr etwa 300 Euro pro Nacht, für die Präsidentensuite müsst Ihr schon etwas tiefer in die Tasche greifen: Inklusive Fulltime-Butler-Service könnt Ihr die Suite für 12.000 Euro pro Nacht mieten. Habt Ihr schon einmal im Adlon übernachtet? Ich kenne die Zimmer nur von der Grünen Modemesse, die im Rahmen der Fashion-Week im Adlon stattfindet, aber auch mich hat der Film so überzeugt, dass ich dem Hotel wohl einmal einen Besuch abstatten werde.

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7 Kommentare
  • sabrina sagt:

    Werde definitiv nachholen den Film zu gucken! Ich finde es nur schade, dass es heute nicht mehr ganz so aussehen soll wie damals.

  • Liebe Ladys,

    ich habe auch alle drei Teile mit Spannung gesehen und bin sehr begeistert von den Filmen. Wunderschöne Kostüme, tolle Schauspieler, eine hervorragende Kulisse – und wissenswert ist die Geschichte ohnehin.

    Herzliche Grüße aus Frankfurt
    Anna

    http://stil-box.blogspot.de/

  • Rena sagt:

    Danke für die schöne Zusammenfassung.

    Ich habe selber vor einiger Zeit das Buch „Hotel Adlon“ mit großer Faszination gelesen und war daher schon nahe daran, entgegen meiner sonstigen Gewohnheiten mir die Serie im Fernsehen anzuschauen, so sehr hat mir mein Mann von der Serie vorgeschwärmt.

    Daher habe ich mich sehr über Euer Summary gefreut. Wirklich schade, dass so etwas in dieser hervorragenden Form nicht öfter produziert und gesendet wird, wer weiß, vielleicht würde ich doch noch zur Fernseherin werden, denn mittlerweile bin ich davon überzeugt, dass ich definitiv etwas verpasst habe.

    LG, Rena

    http://dressedwithsoul.blogspot.de/

  • groschenroman sagt:

    Das Adlon – ein Superprojekt. Teil 1 und 2 hab ich mit Spannung verfolgt. Den dritten Teil allerdings fand ich viel zu deprimierend, hat gar nicht zu den anderen beiden Teilen gepasst. Aber vielleicht war die Zeit einfach so.

  • Ein wunderbarer Dreiteiler! Ich war ganz gebannt davon.

  • Dani sagt:

    Rena, noch kannst Du ihn Dir in der ZDF-Mediathek anschauen, und bei Youtube ist der 1. Teil auch vorhanden.

    Groschenroman, interessant, dass Du es so empfunden hast. Ich fand, dass der Film sich von Teil zu Teil gesteigert hat. :-)

  • Alexandra sagt:

    Großartig! Auch wenn es viel Kritik gab in den Medien, ich fand diesen Film ein ganz großartiges Projekt deutsche Geschichte aufzuarbeiten und für „Massen“ tauglich zu machen. Was mich immer wieder fasziniert ist die Feststellung, was für ein Ereignisreiches Jahrhundert das 20. Jahrhundert war. Was Menschen, die zwischen 1910 und 1920 geboren worden sind, alles miterlebt haben. Das sind nicht nur die zwei größten Kriege der Weltgeschichte, sondern auch die technischen Entwicklungen und Errungenschaften, politisches Erwachsen-werden der Nationen, Emanzipation etc. Unheimlich spannend das alles in diesen Filmen wieder zu erkennen.

    Ich werde mir die Triologie bei Gelegenheit als DVD zulegen, ganz gewiss!

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