Dani

In der Rubrik „Lady-Tipps“ präsentieren wir Euch kleine Fundstücke aus dem Internet, Ausstellungen, Aktionen, Filme oder Läden. Im Rahmen unserer Bücherwoche stellen wir Euch natürlich drei Bücher vor – dieses Mal von oder über Persönlichkeiten mit Adelstitel (ohne dass dieser allerdings im Vordergrund steht). Sybil Gräfin Schönfeldt verarbeitet in „Sonderappell“ Autobiografisches, Christine von Brühl berichtet in „Schwäne in Weiß und Gold“ von ihrer Familie und Meißner Porzellan; in „Der schöne Deutsche“ von Jens Nordalm geht’s um den Tennisspieler Gottfried von Cramm.

1. Sybil Gräfin Schönfeldt: Sonderappell

Ich mag die Bücher von Sybil Gräfin Schönfeldt eigentlich alle und habe hier schon eine ganz beachtliche Sammlung zusammengetragen, von Benimm-Ratgebern wie „Ladies First“ und „Anstand“ über historische Kochbücher wie „Bei Fontane zu Tisch“ und „Gestern aß ich bei Goethe“, Biografisches wie „Erinnerungen an Astrid Lindgen“ bis hin zu Kinderbuchübersetzungen wie „Wind in den Weiden“. Doch „Sonderappell“, das neueste Werk der inzwischen 94-jährigen (!) hat mich wirklich gefesselt und tief beeindruckt. In dem Roman, der bereits 1979 das erste Mal erschien, verarbeitet Gräfin Schönfeldt ihre eigene Vergangenheit. Wie ihre 17-jährige Protagonistin Charlotte wurde sie 1944 als junges Mädchen zum Reichsarbeitsdienst nach Oberschlesien eingezogen. Dort erlebte sie schwerste Entbehrungen, Hunger, militärischen Drill und die heranrückende russische Front. Sie musste Panzersperren bauen und sah Tote. 1979, in der Nachkriegszeit, wurde Gräfin Schönfeldt für ihr Buch als Nestbeschmutzerin beschimpft. Viele der Mädchenheimleiterinnen sind Erzieherin oder Heimleiterin in der BRD geworden – den Drill haben sie beibehalten, wie Skandale in Kinderkurheimen der 1970er und 80er-Jahre belegen. Gräfin Schönfeldt gehört nicht nur zu den letzten Zeitzeugen der NS-Zeit sondern auch zu den ganz Großen des deutschen Literaturbetriebs und ich bewundere sie sehr.

Sybil Gräfin Schönfeldt: Sonderappell

Sonderappell von Sybil Gräfin Schönfeldt ist 2020 im Verlag ebersbach & simon neu erschienen

2. Christine von Brühl: Schwäne in Weiß und Gold

Auch Christine Gräfin von Brühl haben wir Euch auf dem Blog bereits vorgestellt. Erinnert Ihr Euch an Sybilles Beitrag über Fontane und die Frauen? Die Lesung mit von Brühl über ihr 2018 erschienenes Buch „Gerade dadurch sind sie mir lieb“ hat Sybille damals sehr beeindruckt. Bekannt ist auch ihr Buch „Noblesse Oblige. Die Kunst, ein adliges Leben zu führen“ aus dem Jahr 2009. Spannend sind übrigens die Parallelen zu Gräfin Schönfeldt (oben). Nicht nur thematisch finden sich Überschneidungen (Fontane, Benimm-Ratgeber). Wie Gräfin Schönfeldt ist auch von Brühl promovierte Literaturwissenschaftlerin und als Journalistin tätig, ebenfalls u.a. für DIE ZEIT. (Und da kommt mir doch noch eine Dame in den Sinn: die wunderbare Gräfin Dönhoff, in der ZEIT immer liebevoll „die Gräfin“ genannt). In „Schwäne in Weiß und Gold“ begibt sich Gräfin von Brühl nun auf die Spuren ihrer Familie, die sie immer wieder in die Dresdner Porzellansammlung führen. Denn das kostbare Meißner Schwanenservice – das wohl berühmteste das je geschaffen wurde, und für die Familie von besonderer Bedeutung – führt wie ein roter, nein goldener Faden, durch das Buch. Ein detailliert recherchiertes Werk über Heinrich Graf von Brühl, Dresden, Meißen, Sachsen und barocke Schlösser.

Christine von Brühl: Schwäne in Weiß und Gold

Christine von Brühl: Schwäne in Weiß und Gold

„Schwäne in Weiß und Gold“ ist 2021 im Aufbau Verlag erschienen und mit zahlreichen Fotografien sowie Stammbäumen ausgestattet

3. Jens Nordalm: Das Leben des Gottfried von Cramm

Habt Ihr schon einmal von Gottfried von Cramm gehört? Der Baron aus uraltem Geschlecht zählt laut Buchautor Jens Nordalm (promovierter Historiker und ebenfalls Journalist u.a. für DIE ZEIT) zu den herausragenden Deutschen des 20. Jahrhunderts. Nicht aufgrund seines eleganten Äußeren oder seines Tennistalents – er war in den 1930ern der zweitbeste Tennisspieler der Welt -, sondern vor allem aufgrund seines Verhaltens und Auftretens, seines Sportsgeistes: Baron von Cramm (1909-1976), nobel, weltläufig, fair, wurde wahrgenommen als Gesicht eines Deutschlands, das man mögen kann: So wollten 1937 angesichts der Machtübernahme der Nazis hundert Hollywood-Größen demonstrativ ihre Plätze bei den Pacific Southwest Championships verlassen, wenn der deutsche Gottfried von Cramm den Tennisplatz betritt. Doch „als ich diesen Mann sah, empfand ich sofort Scham, das zu tun, was wir uns vorgenommen hatten“, zitiert Nordalm Schauspieler Groucho Marx. Cramm hinterlässt schon beim Betreten des Platzes einen so vornehmen und bescheidenen Eindruck, der personifizierte Gegenentwurf der Nazis, dass niemand seinen Platz verlässt. Mit den Nazis wollte sich von Cramm, der dem Stauffenberg-Kreis nahestand, von Anfang an nicht gemeinmachen. 1938 wurde er für seine homosexuellen Beziehungen sogar inhaftiert. „Der schöne Deutsche“ ist eine berührende Biografie und eine Geschichte der 1920er und 30er mit Swing, Glamour und ihrem Weg in die NS-Zeit.

Jens Nordalm: Das Leben des Gottfried von Cramm

Jens Nordalm: Das Leben des Gottfried von Cramm

„Der schöne Deutsche“ von Jens Nordalm ist 2021 im Verlag Rowohlt erschienen und mit zahlreichen, z.t. noch nie veröffentlichten Fotos gespickt: Nordalm durfte das Privatarchiv der Familie von Cramm auf Schloss Bodenburg nutzen

3 Bücher über beeindruckende Adelige: Gräfin Schönfeld, Christine von Brühl & Gottfried von Cramm

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3 Kommentare
  • Sybille sagt:

    Liebe Dani,

    ich habe alle drei Bücher auf meine To-Read-Liste gesetzt. Danke für die schönen Tipps

    Sybille

  • Sandra T. sagt:

    Gottfried von Cramm … ich muss gestehen, ich habe den Namen nicht gekannt und von dieser Persönlichkeit nie gehört. Das klingt, als sollte man das Buch unbedingt lesen.
    Dankeschön für die immer wieder klugen, schönen und spannenden Buchentdeckungen hier auf Lady-Blog.

  • Dani sagt:

    Liebe Sybille, liebe Sandra,

    ich freue mich sehr, Euch zu neuer Lektüre inspiriert zu haben – da kann die Winterzeit kommen!

    Herzliche Grüße
    Daniela

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