Ein Besuch beim Festival des Métiers von Hermès

Seitdem ich das Festival des Métiers von Hermès in Düsseldorf besucht habe, weiß ich, wie viel Arbeit, Sorgfalt und Liebe zum Detail in jedem einzelnen Produkt steckt. Und das hat meine bisherige Hochachtung für das französische Unternehmen und den Wunsch eines der wunderbaren Produkte zu besitzen noch weiter gefestigt. Die Hermès-Artikel sind nicht für den schnellen Konsum gemacht, sondern als Begleiter fürs Leben gedacht. von Sybille

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Jeder der anwesenden zehn Hermès-Kunsthandwerker machte an den Werkbänken sehr deutlich, wie wichtig das Handwerk für Hermès ist. Der erster Kunde des Unternehmens war 1837 ein Pferd – seitdem ist die Sattlerei Herzstück und Fundament des Hauses. Die Ausstellung begann daher mit der Präsentation der Sattelfertigung. Die Sattlerin Mélanie Kuntz erläuterte unter anderem die unterschiedlichen Sattelformen und erzählte, dass sie für Pferdeshows auch schon Sättel mit Flügeln gefertigt habe.

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Die Kettlerin Donatella Crisoni demonstrierte, wie ein Seidencarré mit Kaschmir verstrickt wird. Die Verbindung dieser beiden Hauptmaterialien von Hermès findet sich in den Kleidungsstücken der Damen- und Herren-Kollektionen wieder.

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Die Porzellanmalerin Veronique Tessier zeigte, wie das Bild eines Tigers auf einer Schale entsteht und erklärte die zahlreichen Arbeitsgänge, die man für die Herstellung einer perfekten Glasur benötigt.

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Im Zentrum der Aufmerksamkeit stand natürlich die Fertigung der Carrés. Die Handwerker aus den Werkstätten in Lyon demonstrierten die verschiedenen Schritte der Carré-Herstellung. Frédérique Colomb zeigte das Entstehen der Gravur, der Druckvorlage für das Carré. Für den hier gezeigten Entwurf werden allein 47 Gravurzeichnungen benötigt, die dann zum Komplettbild zusammengefügt werden.

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Die Seidendrucker Kamel Hamadou und Said Benayad setzen diese Gravur nach dem Siebdruckverfahren um, in dem sie die Seide Farbe für Farbe punktgenau bedrucken. Für die Herstellung eines Seidencarreés werden übrigens 300 Maulbeerspinner-Kokons benötigt.

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Für dreidimensionale Effekte werden die Tücher mit einer sehr feinen Nadel aufgeraut.

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Die Krawattennäherin Muriel Dumonteit führte vor, wie die Krawatten von Hermès entstehen. Gravur und Siebdruck verlaufen wie bei den Seidentüchern. Die einzelnen Krawattenteile (Innen- und Außenteile) werden zusammengefügt, die Seide gebügelt und gefaltet. Im letzten Schritt werden die Seiten umgeschlagen und vernäht. Besonderes Kennzeichen jeder Hermès Krawatte ist der „fil de montage“ – ein Richtfaden, mit dem man die Krawatte ausrichten kann, wenn sie außer Form geraten ist.

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Die Uhrmacherin Tanja Rohrbach zeigte die präzise Abfolge bei der Herstellung einer Uhr. Dabei gab sie Einblick in das eigene, in den Uhrenwerkstätten von Hermès entwickelte Manufakturkaliber, das aus bis zu 300 Einzelteilen besteht.

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Der Täschner Samuel Lefranc führte schließlich in die Geheimnisse der Hermès-Taschen ein. Ich habe ihn vor allem in der Schlussphase der Befestigung des Taschenverschlusses beobachtet. Das allein benötigte mindestens 20 Minuten. Auch den berühmten Sattlerstich zeigte Lefranc. Hierbei wird ein Faden, an dessen Enden sich jeweils eine Nadel befindet, durch die mit der Hand gestanzte Lochung überkreuzt geführt. Der dabei verwendete Leinenfaden ist mit Bienenwachs überzogen, schließt den Zwischenraum und sorgt gleichzeitig für die außerordentliche Festigkeit der Naht.

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Die zauberhaften Dolmetscherinnen, die allesamt Modelqualitäten hatten, präsentierten die unterschiedlichsten Carré-Verwendungsmöglichkeiten. Mir gefielen vor allem die Haarbänder.


7 Kommentare
  • Dani sagt:

    Liebe Sybille,

    vielen vielen Dank für diesen tollen Einblick in die Ausstellung! Die Haarbänder finde ich auch unglaublich toll, muss ich mal ausprobieren. :-)

    Herzliche Grüße
    Dani

  • Stella Pangaea sagt:

    Liebe Sybille, handwerkliche Traditionen kommen heute oft zu kurz…. Danke fuer diesen schoenen Bericht mit Fotos, die (wieder einmal und wie immer bei Dir) eine Augenweide sind. Wenn ich gross bin, moechte ich eine Birkin, bitte …..;-)

  • Valerie sagt:

    Ich war gestern (Dienstag) dort und auch schwer beeindruckt!

    Ich habe bestimmt zwei Stunden bei einer sehr netten Täschnerin verbracht, die meine unzählichen Fragen geduldig und in sehr gutem Deutsch beantwortete, während sie u.a. die orangefarbene Kelly von links auf rechts drehte.

    Bericht folgt!

    Viele Grüße
    Valerie

  • Maja sagt:

    Ich war am Montag dort und bin immer noch erfüllt von dem schönen Tag. Unglaublich was diese wunderbaren Menschen mit ihren Fingern herstellen. Egal wen man fragte, bei allen hatte ich das Gefühl sie stehen 100% hinter dem wie und was sie herstellen und sie sind stolz auf ihre Arbeit. Und das zu Recht!
    Ich kann nur sagen: Großartig! Hut ab!

    Grüße
    Maja

  • Liebe Ladys,

    ich finde es großartig, dass es noch Firmen gibt, die wirklich Wert auf (gut gemachte) Handarbeit und auch Design legen. Auch wenn die Birkin-Bag überall zu sehen ist, ist sie doch eine Traumtasche. Und ein Hermès-Tuch gehört irgendwie auch in jeden Kleiderschrank!

    Herzlichst,
    Anna

    http://stil-box.net/

  • Rena sagt:

    Nicht umsonst halte ich mein Hermestuch in großen Ehren <3 Und ich freue mich heute schon auf den Tag, an dem meine Hermestasche an meinem Handgelenk baumelt :)

    Danke für die sehr interessanten Einblicke!

    LG, Rena

    http://www.dressedwithsoul.blogspot.de

  • JL sagt:

    Tolle Dokumentation dieser beeindruckenden Handwerkstradition. Hermes macht wirklich Stücke fürs Leben. Wenn ich sehr ehrlich sein darf: viele der Carrees wirken doch sehr gesetzt – man braucht schon eine glückliche Outfitkombi, damit man nicht zu schnell „tantig“ aussieht, oder? Die Methode, die Tücher in die Haare zu wickeln, finde ich toll, werde ich morgen gleich mal ausprobieren : )
    Danke für die tollen Fotos und Beschreibungen,
    LG Julia
    http://www.dieblauenstunden.com

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