Ausstellungstipp: „Die Wikinger“ in Berlin

Ein Kulturtipp für alle, die es in der Vorweihnachtszeit in die Hauptstadt verschlägt, ist die Ausstellung „Die Wikinger“ im Martin-Gropius-Bau – ein Konzept, das europaweit angelegt wurde. Denn zusätzlich zum Berliner Museum für Vor- und Frühgeschichte begeben sich auch das Dänische Nationalmuseum Kopenhagen und das British Museum London auf die Spuren der sagenumwobenen Nordmänner. Betritt man den Martin-Gropius-Bau, so herrscht eine eigentümliche Stimmung. Im schummrigen Licht des zentralen Ausstellungsraums steht ein mächtiges Schiffswrack mit weit ausgebreiteten Segeln hell erleuchtet – eine Rekonstruktion der Roskilde 6 des Dänischen Nationalmuseums aus dem Jahr 1025 n. Chr. von Alexandra

Obwohl ein Großteil der Objekte in allen drei Museen gezeigt wird, hat jede Station einen ganz eigenen Charakter. Im Zentrum des Museums für Vor- und Frühgeschichte Berlin steht das Schiffswrack. Um dieses riesige Wassergefährt zu befördern benötigte man bis zu 100 Mann. Als Mittelpunkt der Ausstellung wurde es nicht ohne Grund gewählt, denn das Schiff stand auch im Zentrum der nordmännischen Kultur. Durch die Wassertransportmittel waren die Wikinger mit der ganzen damals bekannten Welt verbunden und besiedelten vermutlich sogar als erste Europäer den Teil, den erst hunderte Jahre später Christoph Kolumbus Amerika taufte.

Wikingergold von Hiddensee

Wikingergold von Hiddensee: Scheibenfibel, Halsring und Anhänger, 1. Hälfte des 10. Jh. n. Chr., Gold. Hiddensee, Mecklenburg-Vorpommern. Foto: Kulturhistorisches Museum Stralsund

Wikinger nannte man übrigens nur diejenigen, die auf Raubfahrt gingen und das war nicht der Großteil. Vorallem zeichneten sich die Nordmänner, Schweden, Norweger und Dänen, durch ihr guten Handelsverbindungen und ihre ausgeprägte Handwerkskunst aus. Diese Aspekte werden in der Ausstellung mit ihren vielen Exponaten wunderschön veranschaulicht. Auch über den sehr komplexen Glauben und die einsetzende Christianisierung durch Harald Blauzahn erfährt man viel. Für meinen Geschmack kommt das tägliche Leben ein wenig zu kurz, aber am Ende lohnt sich die Ausstellung trotzdem aufgrund der wirklich schönen Ausstellungsstücke.

Wikinger-Schachfiguren "Schildbeißer"

Schachfiguren „Schildbeißer“, 1150-1175 n. Chr., Walrosszahn. Isle of Lewis, Äußere Hebriden, Schottland. Foto: Britische Museum, London

Wikinger-Armring mit Golgathadarstellung

Armring mit punzierter Golgathadarstellung, 9./frühes 10. Jh. n. Chr., Gold. Råbylille, Mønbo Herred, Dänemark. Foto: Dänisches Nationalmuseum, Kopenhagen

Die Ausstellung dauert noch bis zum 4. Januar 2015 , der Eintrittspreis beträgt 12€, 6€ ermäßigt. Alles ist auch mit einem Audioguide erkundbar, der sehr viele interessante Informationen zusätzlich beisteuert, er kostet allerdings 4€ extra.

Bild-Credis: Staatliche Museen zu Berlin/Achim Kleuke

3 Kommentare
  • Oh danke für diesen Beitrag!:) Ich möchte jetzt auch unbedingt hin!!

    Liebe Grüße
    Sophiko

  • Mariam sagt:

    Schöner Tipp, ich würde echt gerne hingehen, wenn es möglich wäre. Ich möchte aber aber auch etwas korrigieren: als Columbus in Amerika ankam, dachte er, dass er in Indien war. Also hat er ganz sicherlich nicht dem Land den Namen Amerika gegeben. Dieser Name stammt von dem italienischen Entdecker Amerigo Vespucci, der mit seinem Bericht über die Neue Welt den neuen Kontinent in breiteren Kreisen bekannt gemacht hat.

  • Alexandra sagt:

    Liebe Mariam,

    da hast du natürlich VOLLKOMMEN Recht. Da sieht man mal, was passiert, wenn Mittelalterhistoriker mit der frühen Neuzeit kollidieren, tatsächlich waren es ja der Kartograph Martin Waldseemüller und ein Kollege, die auf einer Weltkarte zum ersten Mal „Amerika“ eintrugen, um Amerigo Vespucci damit zu ehren, der eben festgestellt hatte, dass es sich bei dem von Columbus entdecken Kontinent nicht um Asien/ Indien, sondern um einen vollkommen neuen Kontinent handelte.

    Fazit: Weder Columbus noch Vespucci waren die ersten Europäer in Amerika, sondern die Wikinger/ Nordmänner, die es Vinland nannten.

    Herzlichen Dank für die Korrektur!
    Liebe Grüße
    Alexandra

Hinterlasse doch einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.