Dani

Daniela ist promovierte Germanistin und freie Journalistin für verschiedene Magazine. Den Lady-Blog gründete sie nach einem Praktikum bei einem Berliner Start-up im Jahr 2010.
6 Schritte zu einem Leben (fast) ohne Müll

Nach unserem Griechenland-Urlaub und den Stränden voller Plastikmüll habe ich im letzten Jahr beschlossen: Bei uns muss sich etwas verändern. Also habe ich eine Excel-Tabelle erstellt und alle Produkte verzeichnet, die wir regelmäßig einkaufen. Danach habe ich mir jedes Produkt einzeln vorgenommen und überlegt, wie ich es plastikfrei beziehen kann. Inzwischen produzieren wir im Monat nur noch ein kleines Tütchen Müll. Doch noch heute ist Planung die halbe Miete.

Eine gute Planung ist wirklich viel wert! Mittlerweile habe ich die Bezugsquellen aus unserer Excel-Liste zwar alle im Kopf, aber ich mache mir trotzdem stets verschiedene Einkaufslisten (Rewe, Reformhaus/Bio-Laden, Rossmann, dm, Unverpackt-Laden), auf die ich Produkte eintrage, sobald sie zur Neige gehen. Wenn ein neues Produkt bei uns einziehen soll, dann gehe ich gedanklich folgende Schritte durch: Kann ich es vor Ort kaufen? Wenn nicht, schreibe ich es auf die Liste für den Unverpackt-Laden, der sich im nächstgrößeren Ort befindet und den ich einmal im Monat „konsultiere“. Sollte das Produkt dort auch nicht erhältlich sein, versuche ich es selbst zu machen oder verzichte darauf. Zu Not shoppe ich auch einmal online, versuche meinen Onlinekonsum aber auch stärker einzuschränken.

1. Kurze Wege: Auf Bewährtes zurückgreifen

Kurze Wege und die Unterstützung des lokales Handels sind mir extrem wichtig. Ich versuche darum – nach wie vor – den Großteil hier im Ort zu erwerben. Im Supermarkt kaufe ich beispielsweise Salz, Zucker, Mehl, Tee, Haferflocken, Knäckebrot, Eier, Öle, Essig, Milch, Jogurt und Sahne, Aufstriche und Nussmuse, Tomatensoße und -mark, Senf, Kichererbsen, Stärke, Natron, Obst und Datteln. Das alles bekommt man in Papier, Glas oder lose und zum Großteil auch in Bio-Qualität. Unser Gemüse erhalten wir wöchentlich frisch und saisonal in einer Gemüsekiste. Käse, Quark und Butter holen wir uns in einer lokalen Käserei, die uns die Produkte direkt in unsere Edelstahlboxen gibt.

Honig beziehen wir von einem Imker aus dem Ort. Das Waschmittel von Frosch im Karton kaufen wir bei Rossmann, dort erwerben wir auch Taschentücher in der Papierbox, Wattestäbchen, Holzzahnbürsten, Öko-Spültaps, Gallseife und mein Gesichtsöl von Dr. Scheller. Die Reinigungsmilch und das Körperöl von Dr. Hauschka in der Glasflasche gibt’s hier in der Apotheke. Schokolade kaufen wir beim dm: Die vegane Bio-Schokolade „iChoc“ ist nicht nur palmölfrei sondern verwendet auch eine kompostierbare Plastikfolie. Beim dm gibt es auch Nudeln und Toilettenpapier in der Papiertüte. Planung bedeutet natürlich auch, dass ich nicht spontan sondern stets mit einem Einkaufskorb losziehe und kleine Baumwollsäckchen oder Papiertütchen mitnehme, in die ich beispielsweise Cocktailtomaten geben kann.

NACHTRAG: Die Schokolade der dm-Bio-Eigenmarke verwendet ebenfalls kompostierbare Folie

ichoc

Die fair hergestellte, vegane Schokolade ichoc schmeckt großartig, vor allem die Sorte Choco Cookie mögen wir sehr

2. Wertschätzen: Unverpackt einkaufen

Reis, Gries, Trockenfrüchte, Nüsse, Kokosflocken, Linsen, Bohnen, Backpulver, Gewürze, Essigreiniger und gelegentlich auch frisch gequetschte Haferflocken holen wir uns im Unverpackt-Laden und füllen es direkt in unsere mitgebrachten Gläser. Unsere Shampoo- und Körperseife (siehe auch: Unser (fast) plastikfreies Badezimmer) sowie Toilettenpapier beziehen wir ebenfalls hier. Ich bin ein großer Fan dieser Läden, denn man gewinnt wieder mehr Bewusstsein für Nahrungsmittel. Auch Amalia liebt es, die Hebel der großen Kolben zu betätigen und zuzusehen, wie der Gries oder Reis in unsere Gläser rieselt. Immer mehr (Bio)-Supermärkte richten inzwischen ebenfalls Unverpackt-Abteilungen ein. Außerdem sind Bauernläden und grüne Märkte eine gute Möglichkeit, um Lebensmittel unverpackt zu kaufen.

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Die Glaskolben mit Reis, Nüssen und Getreide im „Nimm’s Lose“ in Rosenheim

3. Erhalten: Langlebiges kaufen & pflegen

Hier hat sich seit unserer Umstellung im vergangenen Jahr nicht so viel verändert. Schon immer haben wir statt Einwegprodukte lieber Langlebiges verwendet, also beispielsweise Servietten aus Leinen und hochwertige Spülbürsten aus Holz. Auf diese Weise müssen wir äußerst selten mal etwas nachkaufen. Neu sind meine fabelhaften Baumwollspüllappen, die ich Euch diese Woche auch noch zeigen möchte. Und meine beste Anschaffung überhaupt war der Rasierhobel aus Edelstahl, der unkaputtbar ist und bei dem nur gelegentlich die Klinge ausgetauscht werden muss. Neben Unverpackt-Läden sind Bürstenstände auf Märkten oder der Shop Manufactum eine gute Bezugsadresse.

4. Selbstmachen: DIY statt schnell gekauft

Vieles machen wir inzwischen auch selbst: das Haarwachs für meinen Mann, ein grandioses Deo, das ich Euch die Woche noch zeigen möchte, Gesichtspeeling, Kerzen, Badebomben, aber auch Kekse, Müsliriegel, Schokoladencreme, Mandel- und Kokosmilch, Aufstriche, Brühe, Knuspermüsli und wir backen unser Brot regelmäßig selbst. Außerdem bauen wir Tomaten, Radieschen, Himbeeren, Erbsen und viele Kräuter an. Es macht unglaublich viel Spaß und schenkt Euch ein wenig Freiheit zurück. Aber mutet Euch nicht zu viel auf einmal zu, sonst vergeht Euch schnell die Lust.

zero-waste-woche-2

5. Recyceln: Reparieren statt wegwerfen

Auch das Thema Recyceln ist für mich nicht so neu. Wenn Schuhe kaputt sind, bringe ich sie zum Schuster, eine alte Bank lassen wir beim Polsterer aufmöbeln und ein Löchlein in Amalias Hose stopfe ich einfach. Was ich noch nicht ausprobiert habe, sind sogenannte Repaircafés, die dabei unterstützen, elektronische Geräte zu reparieren, anstatt sie wegzuwerfen. Außerdem möchte ich mich künftig noch mehr mit dem Thema „Upcycling“ beschäftigen.

6. Verzichten: Auch einmal nein sagen

Und last but not least habe ich in letzter Zeit auch gelernt, nein zu sagen – zu mir selbst, zum Verkäufer, der das Obst schon in eine Plastiktüte gegeben hat oder zum Studenten, der mir auf der Straße Flyer in die Hand drücken möchte. Bei uns gibt es keine Küchenrolle, keine Alufolie und auch keinen Mozzarella mehr, auf diese Dinge kann ich verzichten. Wir brauchen nicht immer alles und sofort, ein etwas minimalistischerer Lebensstil tut unglaublich gut. Probiert es mal.

Noch ein paar Worte zum Schluss: Am Anfang habe ich gedacht, dass es schier unmöglich sein muss, auf Plastik zu verzichten, aber tatsächlich war die Umstellung für uns überhaupt nicht schwer. Und sie schränkt uns nicht einmal ein, sondern bereichert uns eher: Unsere Küche ist noch vielfältiger, die Liebe und Wertschätzung für gute Nahrungsmittel und hochwertige Produkte ist noch mehr gestiegen. Und es ist nicht nur „ein Lifestyle für Besserverdiener“. Man kann ihn sich selbst als Student leisten. Bei den Grundnahrungsmitteln ist ein Unverpackt-Laden sogar günstiger als der Supermarkt, denn man kauft in der Regel in größeren Mengen, spart die Kosten für’s Verpackungsmaterial und Marketing. Und da man allgemein bewusster lebt, kauft man auch weniger „Schmarrn“, wie wir hier in Bayern sagen.


Lese-Tipp: Das Plastik-Sparbuch

Noch viel mehr Tipps rund um die Vermeidung von Plastik findet Ihr im „Plastik Sparbuch“, dem neuen Buch von Smarticular. Übrigens hat es auch ein Tipp von mir ins Buch geschafft.

Hinweis: Mit einem KLICK auf das Buch-Cover werdet Ihr zu Amazon weitergeleitet, Ihr könnt es aber genauso gut im lokalen Buchhandel erwerben//Es handelt sich um einen Affiliate-Link, d.h. wir werden am Umsatz beteiligt.

 

UNSERE ZERO-WASTE-WOCHE

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9 Kommentare
  • Gaby sagt:

    Liebe Dani,

    vielen Dank für deinen ausführlichen Artikel, ich hoffe er findet viele Nachahmer!
    Frosch ist tatsächlich in vielen Bereichen unschlagbar und ich bevorzuge den lokalen Buchhandel statt Amazon…

    Liebe Grüße

    Gaby

  • Anna sagt:

    Liebe Daniela,

    Deine Anregungen sind ganz wunderbar. Wir haben seit kurzem auch einen Unverpackt-Laden in der Nähe, den ich nun in den Osterferien aufsuchen werde. Bringst Du in euren UL auch Deine ganzen Gläser mit? Und ich habe noch eine Frage (weil ich in dieser Hinsicht für uns noch keine Lösung habe): Wie handhabt Ihr das mit Scheibenkäse? Bezieht Ihr den auch aus der Käserei? Und wie sind Quark und Butter dort verpackt in der Edelstahlkiste? Was passiert, wenn Ihr mal eine ganz andere Sorte möchtet? Neuerdings kann man ja an der Frischetheke beim EDEKA seine Boxen mitbringen, habe das aber bisher auch noch nicht ausprobiert. Gerade Butter und Quark ist für mich sehr schwer „plastikfrei“ aufzutreiben hier bei uns in der Stadt. Wir haben auch eine Käserei in der City. Diese stellt vor Ort Mozzarella, Ricotta und Co. aus Bio-Milch aus dem Umland her. Einiges ist in Papier eingewickelt. Einige Sorten sind eingeschweißt … ufff.

    Herzliche Grüße
    Anna
    http://www.salon-stories.de

  • Sophie- Marie sagt:

    Find ich einen ganz ganz tollen und interessanten Beitrag! Ich versuche auch ein Nachhaltiges Leben zu führen. Gerade bei Kleidung, Kosmetik bin ich besonders aufmerksam.
    Soviel selbst anbauen würde ich auch sehr sehr gern. Leider fehlt mir für diese Pflege etwas die Zeit.
    Ich finde es auch toll, was für Werte du deiner Tochter dadurch mitgibst.
    Viele liebe Grüße Sophie- Marie

  • Dani sagt:

    Liebe Anna,

    ja, ich nehme meine ganzen, fertig beschrifteten Gläser mit, damit ich daheim nicht wieder anfangen muss, alles von Säckchen oder Tüten in die Gläser umzufüllen. Es werden ja zum Glück nie alle Sachen auf einmal leer. Und so habe ich immer 3-4 große Behältnisse dabei und ein paar kleinere Gläser oder Beutelchen für Pinienkerne, Trockenfrüchte o.ä.

    Scheibenkäse haben wir nicht, wir kaufen Käse immer am Stück – entweder in der Käserei oder an der Käsetheke. In der Käserei geben sie den Käse direkt in unsere große Edelstahlbox (siehe hier: https://www.lady-blog.de/ein-zero-waste-herbst-picknick-mit-edelstahl/) im Rewe sage ich den Damen immer, dass sie bitte die Folie weglassen und den Käse einfach nur die Papiertüte geben sollen. Das machen sie immer anstandslos.

    Was Jogurt, Quark u.ä. angeht ist unsere Käserei Plangger (https://www.kaeserei.at) schon sehr fortschrittlich, sie haben selbst ein Mehrwegsystem eingeführt. Ein großes Schraubglas kostet 1 Euro Pfand und dort wird immer wieder der Quark eingefüllt. Die Butter ist in Papier verpackt. Aber toll, dass es bei Euch Mozzarella gibt, den haben wir hier leider nicht.

    Herzliche Grüße
    Dani

  • Dani sagt:

    Liebe Sophie-Marie,

    herzliche Dank für Deinen netten Kommentar. Bei Kleidung habe ich definitiv noch Nachholbedarf. Ich habe immer noch zu viel von Zara und Co und zu wenig Fair Fashion in meinem Kleiderschrank, das Projekt „Capsule Wardrobe“ möchte ich dieses Jahr auch noch angehen.

    Herzliche Grüße
    Daniela

  • Sophie- Marie sagt:

    Danke, für deine Antwort! Ich hab selbst auch ein paar Zara Teile im Schrank, aber ich denke solang man auf diese über Jahre immer wieder gerne zurück greift und nicht jede Woche wieder zu Zara läuft und jedem Trend hinterher läuft, ist es halb so wild. :)
    Ich hoffe noch viel an meiner Lebensweise verbessern zu können, bevor ich mal Mutter werde und ich finde wirklich, dass du mit tollem Beispiel voran gehst! Liebe Grüße

  • Franziska sagt:

    Liebe Daniela,

    vielen Dank für den tollen, inspirierenden Beitrag! Es hilft immer, zu sehen, wie andere das Thema angehen – man kommt immer auf neue Ideen, die man ausprobieren kann, um zu schauen, ob sie für einen selbst praktikabel sind. Im Badezimmer sind mein Mann und ich schon gut müllreduzierend unterwegs (es ist erstaunlich, wie wenig man doch eigentlich an Hygiene/Beauty-Dingen braucht!), in der Küche und beim Einkauf werden mir deine Tipps nun helfen. Das „Nein“ sagen und Hinterfragen, ob ich wirklich etwas brauche/ haben möchte klappt mittlerweile gut – einhergehend mit der Wertschätzung für die Dinge, die ich schon habe: Insgesamt gibt mir das Zufriedenheit und Entspannung.
    Herzliche Grüße,
    Franziska

  • lea weber sagt:

    Toller Beitrag! Gerade erst über Google gefunden.

  • Cata sagt:

    Liebe Dani,
    vielen Dank für diesen tollen Beitrag! Ich hab das Buch mir direkt in einem kleinen Buchhandel gekauft und natürlich deine Tipps schon entdeckt ;-)
    Ich habe gestern übrigens im Drogeriemarkt von einem großen Rasierer-Hersteller einen Rasierhobel aus Metall zu einem kleinen Preis gefunden. Er ist zwar in der Herrensektion zu finden, aber ich fand es eine prima Möglichkeit es mal zu testen, da ich nicht sicher bin, ob das etwas für mich ist. Noch nicht perfekt nachhaltig, aber ein Schritt in die richtige Richtung denke ich ;-)

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