Hermès: Traumwelten auf Seidentüchern
Ab September erobert Hermès Berlin. Zum einen nimmt am 2. September nach einer umfassenden Renovierung die Boutique am Kudamm wieder ihren Betrieb auf. Zum anderen wird am selben Tag im KaDeWe eine Hermès-Boutique eröffnet, begleitet von der wunderschönen, verspielten Ausstellung Seidenblicke. Im Lichthof des KaDeWe werden bis zum 5. Oktober die schönsten Carrés von Hermès präsentiert. von Sybille
Traumreise in Fantasiewelten
Der Amerikaner Hilton McConnico lebt seit 1965 in Paris und arbeitet als Maler, Dekorateur, Fotograf, Designer und Filmausstatter, u.a. für den 80er-Jahre-Kultfilm „Diva“. Neben dem Design verschiedener Ausstellungen für das Haus Hermès war McConnico auch für das Interieurdesign der Hermès-Museen in Tokio und Seoul verantwortlich. In „Seidenblicke“ nimmt der Künstler uns mit auf eine Traumreise in seine Fantasie. Hunderte farbenfrohe Hermès-Carrés wurden von ihm als Kunstwerke, Leuchten oder Skulpturen gestaltet.
Ein Tuch wird Legende
Durch die vielen kleinen Szenen, die in insgesamt 10 Räumen präsentiert werden, zeigt die Ausstellung nicht nur die Welt auf Seide gedruckter Geschichten, sondern ist gleichzeitig ein wunderschönes visuelles Experiment. Die Art der Präsentation macht deutlich, dass ein Hermès-Tuch mehr ist als ein Accessoires. Denn jedes Carré erzählt eine Geschichte, von Menschen, Reisen, Städten, Musik, Pferden und von seiner eigenen Vergangenheit. 1937 hatten die heute heißgeliebten Tücher ihren ersten Auftritt, 100 Jahre nach der Gründung des Pariser Traditionshauses Hermès.
Ursprung des Unternehmens: Reitsport
Ursprünglich produzierte Hermès ausschließlich Sättel und Zaumzeug für Pferde. Ende des 19. Jahrhunderts begann das Unternehmen mit der Herstellung von Koffern und Ledertaschen. In den 30er Jahren brachte Hermès schließlich die ersten handbedruckten Seidentücher auf den Markt. Sie waren Schals nachempfunden, die die Soldaten Napoleons getragen hatten und dem Ursprung des Unternehmens verpflichtet: Pferde, Reiter oder Kutschen zierten die Tücher. Die neuen Carrés (franz. Quadrat) wurden schnell zum It-Piece, denn Stil-Ikonen trugen die Tücher in den verschiedensten Varianten.
2000 verschiedene Motive
1956 nutzt Grace Kelly, die spätere Fürstin von Monaco, ein Hermèstuch als Schlinge für ihren gebrochenen Arm. Audrey Hepburn, Jackie Kennedy oder Romy Schneider liebten das Tuch als kreative Kopfbedeckung. Heute existieren ca. 2.000 unterschiedliche Tüchermotive. Jedes Jahr werden zwei neue Kollektionen vorgestellt: sechs Neuentwürfe und sechs Wiederauflagen vergangener Editionen. Gemeinsam haben die Tücher aus Seide oder Seidenjersey die hervorragende handwerkliche Bearbeitung und eine lange Haltbarkeit.
Aufwändige Fertigung
Jedes Carré ist ein Stück Kunst. Für die Entwicklung einer Edition benötigt Hermès etwa zwei Jahre. Die Tücher werden in aufwendigem Siebdruck in Lyon gefertigt, für jede Farbe muss ein eigener Druckrahmen geschaffen werden. Die Tücher werden dann von Hand rolliert – pro Tuch benötigt man dafür etwa eine halbe Stunde. Dieser Herstellungsprozess rechtfertigt auch den hohen Preis: Je nach Größe kostet ein Carré zwischen 100 und 800 Euro. Doch wer einmal ein so kleines Seidenkunstwerk erworben hat, behält es ein Leben lang!



Teil der Ausstellung Seidenblicke im Berliner KaDeWe/Bilder: Hermès
Kreativ mit Tuch
Wie kreativ die Hermès-Carré-Liebhaberinnen mit ihren Tüchern umgehen, veranschaulicht die Kampagne J’aime mon Carré, die Hermès 2010 initiierte. Hier zeigten Modebegeisterte, wie sie ihr Tuch stylen und tragen – als Kopftuch, Turban, Armband, Oberteil, Pareo; verschlungen, geflochten, gebunden. Sie zeigten auch: Das Hermès-Carré steht Ladys in jedem Alter und passt zu vielen Kleidungsstilen.
Die Geschichte des Hermès-Carrés gibt es übrigens auch in Buchform: „Le Carré Hermès“ von Nadine Coleno. Das Buch ist ebenso aufwendig gestaltet wie die Tücher von Hermès. Es enthält zahlreiche Abbildungen und berichtet über die Geschichte und Fülle der Hermès-Seidentücher. Hier geht es zur Amazon-Bestellung.
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