Der Original Haferlschuh wird seit über 200 Jahren nahezu unverändert hergestellt. Früher trugen den Vater des modernen Trekkingschuhs vor allem Jäger und Bergbauern. Heute ist er perfekt für alle, die sich gerne in der Natur bewegen. Und natürlich sieht er auch zu Tracht hervorragend aus. Schwangau Schuh aus dem Allgäu stellt traditionelle handgenähte Halbschuhe her, aber auch Stiefel und Boots die durchaus stadttauglich sind – für Herren und Damen. Mein Mann hat sich für das Modell 1516 entschieden. Ein echter Klassiker!

Ein Arbeitsschuh aus dem Allgäu

Wir schreiben das Jahr 1803 als der Oberstdorfer Schuhmacher Franz Schratt sich Papier und Stift schnappt und das erste Modell für einen Haferlschuh entwirft. Glaubt man der Legende, dann erkannte Schratt als erster die Unzulänglichkeit des Holzschuhs, welcher die Allgäuer auf ihrem Arbeitsweg zwar vor spitzen Steinen schützte, ihnen jedoch keinerlei Halt gab. Ende des 19. Jahrhunderts existierten im Allgäu bereits etwa 800 Schuhwerkstätten, die Haferlschuhe in Handarbeit fertigten – darunter auch die von Franz Schratts Enkel, Josef Schratt. Dieser erschuf besonders feine und extravagante Haferlschuhe und begeisterte damit auch die Winterurlauber aus England und Skandinavien. Schon bald trugen zahlreiche Prominente Josef Schratts zwiegenähte Kunstwerke – sogar Mitglieder eines europäischen Königshauses.

Fans: Marlene Dietrich und Asfa Wossen Asserate

Besonders elegante Ausführungen waren es auch, die in den 1920er und 30er Jahren – kombiniert mit seidenen Couture-Dirndln –  die Pariser Damenmode eroberten. Selbst Marlene Dietrich trug bei ihren Salzburg-Besuchen zur Festspielzeit Haferlschuhe. Dass das traditionelle Allgäuer Schuhwerk auch außerhalb von Bayern eine gute Figur macht, zeigt uns heutzutage Prinz Asfa Wossen Asserate. Der Großneffen des letzten äthiopischen Kaisers und Autor von „Manieren“ trägt sie „meist zum schweren Tweedanzug und natürlich immer auf dem Land.“

Mein Mann hat sich für den Haferl 1516* entschieden – designt anlässlich des 500-jährigen Bestehens des Bayerischen Reinheitsgebots. Gefertigt ist er aus Juchtenleder, dem man seine pflanzliche Gerbung ansieht. Das Rindsleder, das mit Birkenrindenteer imprägniert und stark gefettet wird, ist extrem widerstandsfähig und wasserdicht. Ursprünglich wurde diese Art von Leder in Russland vor allem für Jagd- und Militärstiefel geschätzt.

Zu den Haferlschuhen trägt mein Mann Trachtenstrümpfe aus Alpacawolle von PLUMA*, die in Peru gefertigt werden und deren Kennzeichen eine farbenfrohe Quaste am Bündchen ist; Die Kniestrümpfe tragen sich sehr angenehm und sind wunderbar warm – entdeckt habe ich das Label von Patricia Rohde-Deutsch auf der Tracht & Country in Salzburg

Eine Vibram-Sohle findet man sonst nur bei Outdoor- und Bergschuhen

200 Arbeitsschritte und 5 Merkmale

Der Original Haferl entsteht in etwa 200 Arbeitsschritten, aus ausgesuchtem Leder und Garnen. Das spürt man sofort, wenn man einen Schuh in der Hand hält. Im Unterschied zu industriell gefertigten Schuhen wird die Sohle nicht durch Klebstoff am Schaft angebracht, sondern durch zwei Nähte – das macht ihn überdurchschnittlich langlebig. Darüber hinaus zeichnet sich der Haferl durch fünf Merkmale aus: Der tiefe Knöchelausschnitt sorgt für reibungslose Bewegungsfreiheit, die hochgezogen Fersenkappe für einen guten Sitz und sicheren Tritt.

Die Staublasche bietet einen Schutz vor Nässe, Staub und Steinchen, die Parallelschnürung gibt Halt und ermöglicht schnelles An- und Ausziehen. Übrigens: Haferlschuhe mit Mittelschnürung sind im Allgäu zu Hause, in Oberbayern ist dagegen die Seitenschnürung populärer. Die kantige Spitze des Haferlschuhs, das Schiffchen, gibt den Zehen Platz und sorgt für Fußkomfort. Zugleich „schnabelt“ beim Haferlschuh die Schuhspitze. Das heißt, die Sohle hebt sich leicht vom Boden ab. Das ermöglicht ein bequemes Abrollen.

Der Firmensitz der Schwangau Schuh GmbH befindet sich noch heute im Allgäu, hergestellt werden sie in einer Schuhmanufaktur in Ungarn mit 100-jähriger Erfahrung in der Schuhproduktion

*Die Haferlschuhe/Trachtensocken wurden uns kostenlos zur Verfügung gestellt

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1 Kommentar
  • Jens Schulze sagt:

    Toller Artikel und echt interessant was so hinter einem Haferl Schuh steckt.
    Liebe Grüße und weiter so :)

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