Interview mit Peter Kempe: Kann man Stil lernen?

okt 2011 039

Wir haben für Euch Peter Kempe, Autor beim Blog Horstson, zum Thema Stil interviewt/Foto: Peter Kempe

Wenn Ihr den Lady-Blog aufmerksam verfolgt, dann wisst Ihr, dass ich ein großer Fan des Blogs Horstson bin. Besonders aufmerksam lese ich die Artikel von Peter Kempe, der in seiner Rubrik „Peter’s Cuttings“ immer wieder sehr informativ und persönlich über Modegeschichte, Designer und Stil berichtet. Im wirklichen Leben ist Peter Kempe zusammen mit Thomas Kuball Inhaber von Kuball und Kempe in Hamburg, berät Unternehmen und ist vor allem eine Instanz in Sachen Stil. Ich habe mich kürzlich mit Peter über das Thema Stil unterhalten. von Sybille


Peter, was ist für Dich Stil?

Stil bedeutet für mich, dass jemand bei sich selbst ist. Wer Stil hat, folgt nicht jedem Trend, sondern trägt was zu ihm passt. Dazu gehört für mich natürlich ein Bewusstsein für Qualität, aber auch Individualität. Denn wer sich nicht individuell kleidet, sieht aus wie alle anderen.

Wie drückt sich das für Dich persönlich aus?

Ich habe Mode immer ernst genommen, allerdings mit der notwendigen Prise Humor. Ich habe auch immer gerne Kleidung gekauft, dabei allerdings schon sehr früh Wert auf die Qualität gelegt. Ich besitze Stücke, die ich bereits seit 20 Jahren trage, z.B. hochwertige Polos oder Hemden. Wie man sieht, habe ich mich auch nie dafür interessiert, was die anderen hatten. Ich will keinem Trend hinterherlaufen, sondern mich an Mode erfreuen. Deshalb hinterfrage ich auch immer die Herkunft und den Ursprung eines Produktes. Ich gehe auch viel lieber in die Showrooms der Designer als zu den Modenschauen. Denn erst wenn man die Kleidungsstücke in die Hand nimmt, erkennt man die Verarbeitung und die schönen Details.

Was sind denn Deine besonderen Lieblingsstücke?

Ich liebe Vintage, und das schon bevor der Begriff Mode wurde. So besitze ich einige alte YSL-Tücher und eine wunderbare Chanel-Brosche, an der ich sehr hänge. Meine Hemden lasse ich bei Charvet in Paris machen – ein kleiner Luxus, den ich mir gerne leiste.

Seit wann interessierst du Dich für Mode?

Meine Initialzündung war – wie bei vielen meiner Generation – die Sendung „Neues vom Kleidermarkt“ von und mit Antonia Hilke. Sie hat zweimal im Jahr über die Modenschauen in Paris berichtet und das in einem unnachahmlichen Stil. Im übrigen gäbe es ohne Frau Hilke z.B. das Designerduo Viktor + Rolf nicht. Auch sie haben sich von ihr inspirieren lassen.

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Chanel, St. Laurent und Christian Lacroix sind Peter Kempes Stilikonen/Foto: Peter Kempe

Hast Du Stilikonen, Peter?

Da ist zum einen Chanel. Ich bewundere ihren Stil und das, was sie für die Frauen getan hat. Meine absolute Stilikone in diesem Bereich ist allerdings Yves St. Laurent. Von ihm habe ich alles über Farben und ihre Kombination gelernt. Ihm ist es bei seinen Kreationen auch immer um die Schönheit der Frau gegangen, was sich in seinen Modenschauen widerspiegelte. Mein Lieblingsdesigner ist Christian Lacroix mit seinen fantasievollen, überbordenden Entwürfen. Er war ja ursprünglich Kostümmacher, das hat man seinen Kleidungsstücken immer angesehen.

Kann man Stil lernen?

Man kann das Sehen lernen. Wenn man genau hinsieht, dann kann man Stil lernen. Stil hat allerdings auch viel mit der Einstellung zu sich selbst zu tun. Wenn man sich selbst akzeptiert und respektiert, dann ist es nur ein kurzer Weg bis zum guten Stil.

Welche Frauen findest Du stilvoll?

Ich mag Carine Roitfeld, die ehemalige Chefredakteurin der französischen Vogue, oder Isabel Marrant. Das sind typisch französische Frauen: selbständig, selbstbewusst und nicht perfekt durchgestylt. Aber auch englische Frauen, wie das Model Stella Tennant, sind toll. Was ich nicht mag, ist dieses weibchenhafte Frauenbild, das in letzter Zeit immer häufiger in den Medien auftaucht. Das ist eine Ohrfeige für unsere Mütter, die für die Emanzipation gekämpft haben.

Peter, ganz herzlichen Dank für das Gespräch!

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2 Antworten zu “Interview mit Peter Kempe: Kann man Stil lernen?”

  1. groschenroman Sagte:

    Schönes Interview. Natürlich muss man nicht jedem Trend hinterher laufen, aber manche kann man schon mitmachen, finde ich.

  2. Rena Sagte:

    Ich kann mich durchaus auch für einen langlebigen, klassischen Stil begeistern, vor allem bei Männern! Selber versuche ich mich ebenfalls immer wieder mal daran, allerdings besteht dann bei mir die Gefahr, dass ich mich mit manchen Teilen, die ich schon länger habe, selber langweile ;)

    Liebe Grüße, Rena

    http://www.dressedwithsoul.blogspot.de

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