In den letzten Jahren sind immer wieder Romane und Erzählungen aus den 20er und 30er Jahren neu aufgelegt worden. Da ich die Literatur dieser Zeit sehr mag, stehen viele dieser Neuerscheinungen mittlerweile in unserer Bibliothek. Eine kleine Auswahl stelle ich Euch heute vor: Kästners „Zauberlehrling“, neu entdeckte Erzählungen von F.Scott Fitzgerald, den ersten Exilroman von Irmgard Keun sowie Friedrich Torbergs „…und glaubten, es wäre die Liebe“. von Sybille

1. Erich Kästner: Der Zauberlehrling

Ach Kästner – ich liebte schon seine Kinderbücher und habe alles von „Emil und die Detektive“ (ratet mal, woher unser Blog-Dackel Emil seinen Namen hat) bis zu „Der 35. Mai“ mehrfach gelesen. Doch auch für Erwachsene hat Erich Kästner geschrieben. Im Atrium Verlag ist jetzt „Der Zauberlehrling“ erschienen, der zwei Romanfragmente sowie seine „Briefe an mich selber“ enthält. Der 1933 geschriebene „Doppelgänger“ wirkt wie eine Fortsetzung des Romans „Fabian“. Wir begegnen Kästner in der Figur des Karl und einem Menschen, der sich „aus den Augen verloren hat“ und sich selber sucht. „Der Zauberlehrling“ von 1936 variiert das Doppelgänger-Thema und packt noch eine kleine Liebesgeschichte dazu. Die Sprache Kästners ist wie immer zauberhaft leicht. Ich fühle mich immer ganz beschwingt und gut gelaunt, wenn ich seine Texte lese. In den „Briefe(n) an mich selber“ aus dem Jahr 1940 tritt Kästner in Form von Briefen mit sich selbst in Kontakt und reflektiert sein Leben kritisch. Hier zeigt er auch auf, wie es war, als Künstler im inneren Exil im Dritten Reich zu leben. Den „Zauberlehrling“ könnt Ihr für 20 Euro hier bestellen.

2. Irmgard Keun: Das Mädchen, mit dem die Kinder nicht verkehren durften

Irmgard Keun ist vor allen Dingen für „Das kunstseidene Mädchen“ bekannt. Sie hat allerdings noch einige andere wunderschöne Romane geschrieben. Dazu zählt ihr erster Exilroman „Das Mädchen, mit dem die Kinder nicht verkehren durften“, der 1936 in Amsterdam erschien. In die kleine Hauptperson, eine zehnjährige, die sich mit ihren Unternehmungen immer wieder Ärger aufhalst, habe ich mich auf der Stelle verliebt. Irmgard Keun schildert anrührend, wie das Mädchen kurz vor Ende des Ersten Weltkrieges von einem Abenteuer ins nächste schliddert. Dabei nimmt sie die kindliche Perspektive so perfekt ein, dass ich wirklich mitgelitten habe und mich so manches Mal gefühlsmäßig in meine Kindheit zurückversetzt fühlte. Ganz großartig! Der Roman ist bei Kiepenheuer & Witsch erschienen und kostet 16 Euro.

3. Scott Fitzgerald: Für dich würde ich sterben

Fitzgerald ist ebenfalls ein Lieblingsautor von mir. Hoffmann & Campe hat jetzt unter dem Titel „Für dich würde ich sterben“ neu entdeckte Texte des Amerikaners versammelt. 14 abgeschlossene Storys, drei Filmskizzen und ein Fragment – alle im unverkennbaren Fitzgerald-Ton. Diese Texte entstanden in den 30er Jahren. Und es waren eben nicht mehr Geschichten über Männer, die sich in reiche, aber die Moralvorstellungen der Zeit austestende junge Frauen verliebten. Denn der Autor wollte anderes, seinem Alter entsprechendes schreiben und auch erzählerische Experimente wagen. Die Zeitschriftenredakteure aber lehnten in den 30er-Jahren eine Erzählung nach der anderen ab. So blieben viele Texte bis heute unveröffentlicht. Darunter eine für Fitzgerald sehr ungewöhnliche, recht brutale Erzählung, die im Amerikanischen Bürgerkrieg spielt. Ergänzt wird der Band durch sehr interessante Erläuterungen und Stellenkommentare. „Für dich würde ich sterben“ gibt es hier für 25 Euro.

4. Friedrich Torberg:“…und glaubten, es wäre die Liebe“

Ich kannte Friedrich Torberg nicht und war daher sehr neugierig auf den als „literarische Sensation“ gehandelten Roman „…und glaubten es wäre die Liebe“, der zum ersten Mal 1932 erschien. Das Buch wurde vom Milena-Verlag herausgegeben, der sich u.a. um die Wiederauflage vergessener literarischer Klassiker verdient gemacht hat. Es geht um acht junge Menschen der dreißiger Jahre. Sie verbringen einen Sommer miteinander, schwärmen füreinander, verlieben sich ineinander. Alle schreiben Tagebuch, die Perspektive wechselt ständig. Dabei kommen nicht nur persönliche, sondern auch gesellschaftliche Probleme zur Sprache. Der Roman ist sehr, sehr komplex. Ich bin nach etwa 100 Seiten an der Komplexität des Personenwechsels gescheitert und wusste nicht mehr, ob da nun Hilde, Viktor, Hans oder Manfred schreiben – geschweige denn, in wen sie sich gerade verliebt haben. Dieses Buch, in dem allerdings einige der schönsten Sätze über die Liebe vorkommen, die ich je gelesen habe, ist ein Vorhaben für einen langen, ruhigen, ungestörten Urlaub. „… und glaubten, es wäre die Liebe“ gibt es hier für 24 Euro.

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2 Kommentare
  • Rena sagt:

    Danke, das sind ja wunderbare Buchempfehlungen! Denn ich lese sehr gerne Bücher, die genau in dieser Zeit spielen und bin jetzt besonders interessiert am Zauberlehrling.
    Liebe Grüße von Rena
    http://www.dressedwithsoul.com

  • Sybille sagt:

    Der Zauberlehrling ist soooo schön! Ich wünsche dir viel Spaß beim Entdecken und Lesen.

    Lieben Gruß
    Sybille

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