Britische Lebensart: Die Tea-Time
Ob ein einfacher Cuppa in der Arbeitspause oder ein eleganter Tee in einem Londoner Nobelhotel: Die Tea-Time ist mehr als eine Tradition in Großbritannien. Sie ist eine Lebensart in allen Gesellschaftsschichten. Die Briten brühen sich einen Tee, essen etwas Leckeres dazu, nehmen sich Zeit für Gespräche mit Freunden oder machen es sich gemütlich und genießen den Augenblick – ich finde diese Lebensart wunderbar und habe beschlossen den Afternoon Tea künftig häufiger zu pflegen.
Die Teezeremonie wird salonfähig
Bis ins 17. Jahrhundert war Tee in England nicht bekannt. Als der Händler Thomas Garraway die schwarzen Blätter schließlich aus China mitbrachte, war dieser so teuer, dass ihn sich nur wenige leisten konnten. Katharina von Braganza, die Ehefrau von König Charles II., macht die Teezeremonie jedoch salonfähig und die Reichen und Modebewussten begannen auf ihren Schlössern und Landsitzen Tee zu trinken. Der Tee bot den Herrschaften die Gelegenheit Leute einzuladen oder schuf den Vorwand für ein romantisches Tête-à-tête – immer jedoch bestimmte er den Tagesablauf. Im Sommer wurde er zwischen zwei Cricket- oder Tennisspielen im Rosengarten serviert. Im Winter sorgte er für eine Pause zwischen endlosen Bridgepartien im kleinen Salon am wärmenden Kamin.
Der Siegeszug des Tees
Mit der „East India Company“ hatte England bald ein Handelsmonopol und der Siegeszug der schwarzen Blätter zog sich fort. Um 1700 eröffneten die ersten „Coffee Houses“, die ausschließlich Tee ausschenkten. Auf Tea Gardens trank man nicht nur Tee sondern tanzte und ließ sich unterhalten. Nachdem im 18. Jahrhundert die Verbrauchssteuer abgeschafft wurde, setzte sich der Tee auch in der Arbeiterschicht durch. Und seit etwa 1830 ist der Afternoon Tea eine eigenständige Mahlzeit. Man verzichtete damals häufig auf das Mittagessen und nahm das Abendessen erst gegen 20 Uhr ein.
Die Tee-Time heute
Heute könnt Ihr den Afternoon Tea in einem weltbekannten Londoner Hotel wie Browns, Dorchester, Athenaeum oder einem Luxus-Kaufhaus wie Harrods, Fortnum & Mason oder Harvey Nichols einnehmen. Ihr könnt jedoch auch auf’s Land fahren und in einem gemütlichen Tearoom Euren schwarzen Tee trinken – ergänzt um eine regionale Spezialität. So ist Cornwall beispielsweise nicht nur für seine Rosamunde-Pilcher-Kulisse berühmt, sondern auch für seinen Cream Tea mit Scones, Clotted Cream und Erdbeerkonfitüre. In Dornset erhaltet Ihr zum Tee leckeren Apfelkuchen und in Wales Früchtebrot.
Die Leckereien werden in der Regel auf einer dreistöckigen Etagère serviert. Ganz unten befinden sich herzhafte Köstlichkeiten wie Sandwiches, Sausage Rolls oder Shortbread, in der Mitte die Scones und oben wartet feine Patisserie wie Gebäck mit frischen Beeren oder Mini-Eclairs darauf von Euch vernascht zu werden. Im nächsten Artikel erfahrt Ihr, wie man einen englischen Tee am besten zubereitet.

Ein einfacher englischer Zitronenkuchen und Shortbread - ein „mürbes Brot“ aus Schottland.

Darjeeling-Tee mit einem Schuss kalter Milch und Zucker
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Januar 19th, 2012 at 10:44
Fabelhafter, informativer Artikel!
Ich bin auch leidenschaftlicher Teetrinker!
Wobei ich im Regelfall (außer bei Krankheit) die klassischen ,, black teas ” wie ,,englisch breakfast” , ,,prince of wales ” und (ganz klar) ,, earl grey ” bevorzuge.
Der Engländer ist halt in gewisser Hinsicht kultivierter als sein teutonischer Vetter!
Januar 19th, 2012 at 17:12
Sehr geehrter Herr v. Brockdorff,
das gilt m.E. leider auch nur für einen kleinen Teil der Engländer. :-)
herzliche Grüße
Daniela Uhrich
Januar 19th, 2012 at 17:24
Seit deinem Artikel habe auch ich das Tee trinken für mich entdeckt und bin somit kultiviert. :-) Doch wie bereite ich ihn am besten zu? Ich vermisse den versprochenen Artikel dazu… :’-(
Januar 19th, 2012 at 18:51
Kommt noch lieber Johnny, nicht so ungeduldigt. Und herzlichen Dank für die kleine Geografie-Nachhilfe. ;-)
Januar 20th, 2012 at 20:36
Hallo liebe Dani,
jetzt hast du mir richtig Lust auf a mug of T und Gingerbread gemacht. :)
In meiner Zeit in England gab es sogar 2x Tea-Time am Tag.
Erst nach der Schule (so gegen 16:00) mit Freunden im Merry England (herrlich Britisch, mit großen Bechern und dazu Sandwich oder Scones) oder im Szenecafé, wo der Tee auch mal zu heißer Schokolade mit Minimarchmallows wurde.
Und dann Abends nach dem Essen im Saloon oder im Livingroom meiner Gasteltern, mit Dias vom letzten birdwatching und dazu Brenda’s selbstgemachte Kekse oder das, was an Süßem im letzten Päckchen von Zuhause war.
Eine große Ehre ist es übrigens von einem Engländer nach einem Essen im Restaurant nach Hause auf einen Tee eingeladen zu werden.
Alles Liebe und hoffentlich sehen wir uns bald abseits vom Hubland auf ein Kännchen Tee im Clochard oder Wunschlos Glücklich :)
Constanze
Januar 22nd, 2012 at 15:03
Liebe Constanze,
ich wusste gar nicht, dass Du in England warst. Davon musst Du mir mal ausführlich berichten – selbstverständlich bei einem Tässchen Tee. :-)
herzliche Grüße
Dani