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Zumindest die Verpackung stimmt: Der Duft Paper Passion soll den Geruch frisch gedruckter Bücher einfangen.

Riecht Papier nicht wunderbar? Und erst recht frisch gedruckte Bücher? – Die Leidenschaft für Bücher und edle Papiere wollte der passionierte Verleger Gerhard Steidl in einen Duft bannen und tat sich deshalb mit dem Parfümeur Geza Schön zusammen. Das Ergebnis der Kooperation ist „Paper Passion“, ein Duft, den es schon seit längerem gibt. Zwar hatte ich keine Lust, 85 Euro für ein Parfum auszugeben, das ich vor dem Kauf nicht testen kann. Allerdings fand ich das Konzept hinter „Paper Passion“ so schön, dass ich es mir bei einem Ausverkauf in unserer heimischen Buchhandlung doch für 20 Euro zugelegt habe. von Sybille

Spektakulär verpackt

Karl Lagerfeld, dessen Hausverlag Steidl ist, hat eine spektakuläre Verpackung für diesen Duft entworfen. Und die ist tatsächlich das Beste am ganzen Konzept: In einem unscheinbaren Pappkarton befindet sich ein in dickes rotes Japanpapier eingepacktes Buch mit edlem, naturfarbenem Leineneinband. Der Parfumflakon versteckt sich unter 32 bedruckten Seiten in einer Aussparung – ähnlich wie bei einem Büchertresor. Als literarische Dreingabe gibt es das Gedicht „Duftmarken“ von Günter Grass sowie einen Kommentar von Tony Chambers, dem Chefredakteur des Wallpaper-Magazins. Verpackung und Duft sollten eine Hommage an die Sinnlichkeit von gedruckten Büchern sein. Mit der Verpackung ist das gelungen, mit dem Duft nicht. Er ist – gelinde gesagt – eine Enttäuschung. Dabei riecht er zu Beginn noch recht unaufdringlich und vermittelt tatsächlich einen Hauch von frisch bedrucktem Papier.

Für Sammler?

Nach kurzer Zeit kommt allerdings ein merkwürdiger Geruch dazu, der mich fatal an ein Putzmittel erinnert und leider auch mit der Zeit nicht verfliegt. Kurz gesagt, ich finde den Duft penetrant und werde ihn garantiert nicht tragen. Geza Schön ließ sich für den Duft übrigens in der Steidl Druckerei inspirieren und hat dann aus Methyl-Linoleat, Ethyl-Linoleat und Copaiba-Balsam die Basis von „Paper Passion“ geschaffen. Hinzu kommen Amber Extreme, Trisamber, Osmanthus Absolute, Moschus und als Kopfnote Kresylacetat. Zwar wollte Gerhard Steidl mit diesem Duft ein modernes Parfum kreieren, aber ich weiß nicht wirklich, wer dieses Parfum tragen soll. Vielleicht ist das Ganze aber auch nur für Sammler gedacht, die sich die wunderschöne Verpackung ins Regal stellen und den Duft einfach in der Flasche lassen. Und genau das werde ich wohl auch tun. Ruhe sanft, „Paper Passion.“

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4 Kommentare
  • na ein Glück hast Du dieses Dekoteil (Staubfänger?) so günstig erwerben können! LG Julia

  • Amalia sagt:

    Was für eine erstaunliche Idee! An Büchern finde ich echten Buchgeruch wunderbar, möchte aber selbst doch wohl gern etwas lieblicher duften…

    Lagerfeld hat übrigens mehrere ziemlich lustige Projekte bei Steidl gemacht, unter anderem einen „Faust“-Bildband mit Claudia Schiffer als Gretchen und David Copperfield als Mephisto.

    LG,
    Amalia

  • Schwedenlady sagt:

    Nun, vielleicht sollte die klassische Lady ihre Hausbibliothek damit beduften – oder ihr Lesezimmer? Ansonsten stimmt das so schon. Das Parfum durchläuft mit Kopf, Herz- und Basisnote einen ganzen Tag einer Buchhandlung/Bibliothek/Bücherei. Zuerst riecht es nach Büchern, dann kommt die Reinigungskraft und wischt feucht durch, wenn dann der nächste Tag begonnen werden soll und es duften darf, wird neu gesprüht. Das erste Tagesablaufparfum der Welt…. Grüßle Schwedenlady
    P.S. Für alle Ernsthaften: Das war scherzhaft gemeint.

  • Sybille sagt:

    Liebe Schwedenlady,

    ja – jetzt begreife ich es erst! Danke für diese wunderbare Deutung! (Ich habe sehr gelacht!)

    Liebe Grüße
    Sybille

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