Anitas Woche: Winterschuhe in der Oper
Eisige Kälte, Schnee und Sonne – Nicht nur bei Anna in Wien, auch bei mir in München ist endlich der Winter eingekehrt. Was mir allerdings Kopfzerbrechen bereitet, ist ein Opernbesuch, der am Sonntag mit meinem Freund ansteht: Rheingold an der Bayerischen Staatsoper. Die Premiere war erst diesen Samstag, es ist die dritte Vorstellung und sicherlich wird es ein wundervoller Abend. ABER, ein großes Aber drängt sich bei einem Opernbesuch im Winter stets in meinen Kopf: Welche Schuhe soll ich nur anziehen?
Ein schönes, elegantes Outfit mit Winterstiefeln? Furchtbar. Pumps trotz Schnee und Eis? Drei Stunden lang nasse Füße in der Oper sind kein Spaß. Aber es gibt sie, die Ladys, die dem Wetter trotzen und nach wie vor mit feinen Pumps oder gar Sandalen die Oper besuchen. Betrachten wir das Münchner Opernpublikum doch einmal genauer:
1. Der Opernfanatiker/Wagnerianer
Outfit: nebensächlich
Schuhe: ebenso nebensächlich, am besten praktisch; bloß kein Absatz, denn nach der Vorstellung gilt es möglichst schnell Präsenz am Künstlereingang zu zeigen, um ein Autogramm abzustauben
Ladyfaktor: 0%
2. Die Society-Lady
Outfit: ein Abendkleid, abgestimmte Accessoires und Nerzumhang
Schuhe: farblich passende, maßangefertigte Pumps/Peeptoes/Sandalen aus feinem Leder, mit Schmucksteinen verziert
Ladyfaktor: 100%
3. Der Musikliebhaber
Outfit: meistens ein mit Accessoires aufgepepptes Uni- oder Arbeitsoutfit
Schuhe: leider dem Wetter angepasst, aber ein Schuhputztuch ist immer dabei
Ladyfaktor: 50%
Wie kommt die Society-Lady nun trockenen Fußes von der U-Bahn in die Oper, ohne ihre Schuhe zu ruinieren? Ganz einfach: Sie wird mit dem Auto in die Tiefgarage der Oper gefahren und muss sich und ihre Schuhe weder den sibirischen Temperaturen noch dem Schnee aussetzen. Doch was kann eine Studentin und Musikliebhaberin wie ich tun? Auch ganz einfach: Winterschuhe anziehen, in der Oper angekommen in die grauen Lieblingswildlederpumps schlüpfen und das Säckchen mit den Stiefeln bei den freundlichen Garderoben-Damen abgeben – Schuhe gerettet, Opernabend gerettet! Und der Ladyfaktor: mindestens 150%.
Eine schöne Winter-Woche wünscht Euch
Anita

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Februar 6th, 2012 at 09:49
Der Operndresscode sollte eigentlich (!) klar sein: Smoking für den Herrn, Abendkleid für die Dame
(samt festlichem Schuhwerk).
Aber: Trotzdem erblickt man während des Opernabends trotzdem den einen oder anderen Herrn in verwegener Kombination ( Smokingjackett, Krawatte und Anzughose) und Damen, die eher wie verkleidete Drogerieverkäuferinnen wirken.
Solche Begegnungen können das eigene Toleranzverständnis ordentlich strapazieren..
Ich als alter Wagerianer kleide mich immer dem Haus entsprechend.
Februar 6th, 2012 at 10:34
Hihihi :) So mach ich das auch immer :)
Liebe Grüße,
Stefanie
Februar 6th, 2012 at 11:43
@Brockdorff
Ich finde ehrlich gesagt, dass Smoking und Abendkleid nicht mehr zeitgemäß sind als Operngaderobe des 21. Jahrhunderts. Viele Studenten haben dazu einfach auch nicht die finanziellen Mittel – und ohne Nachwuchs stirbt diese Kunstform irgendwann aus.
Meiner Meinung nach muss man abwägen, viele Faktoren spielen eine Rolle: Ist es eine Premiere? Dann ist der Dresscode Abendkleid natürlich klar. Wenn es eine Repertoirevorstellung der Zauberflöte o.ä. ist, kann aber durchaus auf das Abendkleid verzichtet werden wie ich finde. In der Festspielzeit ist es natürlich wieder etwas anderes.
Trotzdem finde ich nicht, dass das Outfit letztendlich entscheidend ist. Was zählt ist das Interesse an der Musik – und nicht der Smoking und das Abendkleid. Obwohl mir persönlich zerrissene Jeans auch unangenehm auffallen – wobei das natürlich wieder ein anderer Fall ist, wenn z. B. eine zeitgenössische Oper gespielt wird (da wäre dann der Dresscode schwarz + Farbe angebracht, wenn man sich anpassen möchte zumindest).
Richtig, dem Haus entsprechend sollte man sich kleiden, aber auch seinen eignen Maßstäben und Möglichkeiten entsprechend. Niemand sollte – auch in der Oper – wegen seiner Kleidung verurteilt werden.
xxx Anita
Februar 6th, 2012 at 12:01
Lieber Herr v. Brockdorff,
liebe Anita,
auch wenn ich prinzipell wie Sie – Herr Brockdorff – der Meinung bin, dass man das Haus, die Musik und die Künstler mit entsprechender Kleidung würdigen sollte, so muss ich Anita schon auch zustimmen. Viele Studenten besitzen gar keinen Smoking, das ist nicht zuletzt natürlich auch eine Kostenfrage. Ich denke ein Anzug oder ein Sakko mit schönem Hemd, Einstecktuch, Stoffhose und guten Schuhen tun es da auch. Allerdings ist auch das schon weit mehr, als ich manches Mal im Theater oder in der Oper gesehen habe und das kann man dann sehr wohl verurteilen. Denn eine zerissene Jeans oder ein Kapuzenpullover sind wohl kaum auf ein kleines Portemonnaie zurückzuführen.
herzliche Grüße
Dani
PS: Wenn ich mir bei der Wahl der Kleidung unsicher bin, verfahre immer nach dem Motto: lieber over- als underdressed. :-)
Februar 6th, 2012 at 13:17
hübsche pumps ;)
…ja und die idee mit dem 2. paar schuhe, die auch winterfest sind, ist wirklich am besten ;))
Februar 6th, 2012 at 16:42
Hallo,
ich finde die Diskussion sehr interessant und würde es sehr begrüßen, wenn hier im Blog eine neuer Reihe zum Thema: Was trägt die Lady bei gesellschaftlichen und kulturellen Veranstaltungen? gestartet wird.
Ich gebe Herrn v. Brockdorff recht, dass es immer auf das Haus ankommt. Ich kann nur aus eigener Erfahrung sagen, dass es ein großer Unterschied ist, ob ich bei den Salzburger Festspielen bin oder an der Staatsoper unter den Linden (aktuell Schillertheater).
Liebe Grüße,
Juliane
Februar 6th, 2012 at 18:14
….was allerdings noch wichtiger ist, wenn man nicht in der Pause mit gequältem Blick die Gänge hoch und runter humpeln will, dass sich die Schuhe schnell und geräuschlos an- und ausziehen lassen. Denn bei 3-6 Stunden Wagner werden Pumps auch im sitzen schrecklich unbequem.
Ach so P.S.: Frauen mit Nerz am besten kurz vor der Vorstellung auf’m Klo einsperren: einfach von außen die Türklinke abmontieren und das Vieh ist gefangen. ;)
Februar 6th, 2012 at 18:37
Liebe Sarah,
gute eingelaufene Lederpumps schmerzen eigentlich nicht. Und was den Kommentar zum Nerz angeht, so bitte ich doch um einen etwas höflicheren Umgangston.
herzliche Grüße
Dani
Februar 6th, 2012 at 19:27
@ Juliane:
der Frage was die Lady bei gesellschaftlichen und kulturellen Veranstaltungen trägt, werde ich gerne in meiner Kolumne nachgehen – ein paar Ideen zu Konzertoutfits (und mit Konzert ist bei mir immer Konzert klassischer Musik gemeint) findest du auch auf meinem blog kulturundstil.blogspot.com – allerdings stelle ich dort meinen eigenen Stil dar, und Outfits die ich mir leisten kann, manchmal aber auch Ideen was man anziehen könnte. Und ja wie gesagt, es hängt sehr stark vom Ort der Veranstaltung ab. Für die Bayreuther Festspiele sollte man ein schickeres Outfit wählen als z. B. für ein Konzert Neuer Musik der Reihe Musica Viva.
@ Sarah:
bei der Schuhfrage muss ich Dani zustimmen: im Sitzen haben mich noch keine guten Pumps geschmerzt. Hochwertige Lederpumps oder andere hochwertige Schuhe finde ich auf kulturellen Veranstaltungen sowie auch im Alltag ein Muss .
Alles Liebe, Anita
Februar 6th, 2012 at 19:30
Hallo Dani,
das stimmt schon. Ich kenne meine Schuhe natürlich auch recht gut und weiß, welche ich lange tragen kann – und welche eben nicht. Habe es aber leider schon oft erlebt, dass diverse Fräuleins, das offenbar nicht einschätzen können – und anstatt dann die Schmerzen zu ertragen, sich völlig daneben benehmen, indem sie mit umständlichen Bewegungen ihre Schuhe inmitten der schönsten Arien ausziehen.
Ähnliches kann ich von diversen Damen in Pelz berichten: es stimmt zwar, dass mich Frauen in Pelz eigentlich immer ziemlich ärgern, aber in der Oper sind sie ehrfahrungsgemäß die reinste Seuche, weil es ihnen meist mitten in der Vorstellung doch zu warm wird und sie dann sämtliche Sitznachbarn damit belästigen, dass sie ihr totes Tier ausziehen und einen dann über die Lehne hinweg so halb damit zudecken. Ich musste mich nach der Pause deswegen leider schon öfter umsetzen, weil die Betreffenden in aller Regel nicht mal so klug sind, ihren Pelz in der Pause zur Garderobe zu bringen.
Aber ich habe natürlich noch nie jemanden auf der Toilette eingeschlossen, auch wenn ich ehrlich gesagt einmal kurz drüber nachgedacht habe einer Pelz-Dame nicht zu helfen, als sie sich in der Berliner Staatsoper (derzeit ja im Schillertheater) auf der Toilette selbst eingeschlossen hat. Dort, genauso wie in Bayreuth, passiert es leider öfter, dass man die Klinke von innen in der Hand hat, daher sollte man nie zuuuu knapp vor Vorstellungsbeginn die Örtlichkeiten aufsuchen. Na ja, jedenfalls habe ich die Dame dann doch noch befreit und habe mich im Nachhinein darüber sehr geärgert, weil ich von ihr noch einen schnippischen Spruch kassiert habe: ihrer Meinung nach hab‘ ich mich nicht genügend beeilt…. Daher mein Kommentar. ;)
Und Fazit: da ich mit sechs das erste Mal in der Oper war und derzeit zwischen 4 und 10 Mal im Monat gehe, erlaube ich mir mal meinen Eindruck hier darzulegen: umso aufgestylter die Herrschaften, umso größer die Wahrscheinlichkeit, dass diese sich während der Vorstellung völlig asozial (im wahrsten Sinne des Wortes) und ganz und gar nicht lady-like verhalten….. Daher suche ich immer das Weite, wenn ich in einer schnöden Repertoire-Vorstellung neben Leuten im Abendkleid und Frack sitze – denn die sind in der Regel zum aller ersten Mal und nur wegen der Pausen-Gespräche in der Oper. Langweilen sich während der Vorstellung zu Tode, quatschen, blättern im Programm, usw….
Februar 6th, 2012 at 21:09
Liebe Sarah,
ich denke es ist einfach wie in allen Kulturveranstaltungen einfach ein Generationenproblem mit der Frage was die passende Kleidung ist. Ich bin tendenziell ziemlich deiner Meinung, auch wenn ich mit Pauschalisierungen vorsichtig bin – z. B. wurde mir mal von einer zuerst sehr spießig aussehenden alten Dame (die mich – zugegeben abgehetzt von der Uni gerade noch zur Abendkasse sprintend aber umbedingt nochmal den Wozzeck sehen wollen – erst mal kurz von oben bis unten musterte und ich dachte schon ich fange mir gleich einen Kommentar wegen meinem zugegeben völllig unopernhaften Outftis ein), diese alte Dame also fragte mich, als ich an der Kasse anstand, was ich studieren würde, und als sie erfuhr, dass ich Musikwissenschaft studiere – hat sie mir erfreut eine Karte im Balkon erste Reihe neben ihr geschenkt – ihr Mann sei krank und sie fände es sehr erfrischend mit mir in der Pause über die Inszenierung zu plaudern. Wir haben uns dann auch sehr nett unterhalten in der Pause, gelegentlich sehe ich sie noch in der Oper und wir grüßen uns ganz nett.
Soviel also dazu. Natürlich gibt es bestimmte “Typen” an Opernbesuchern – und ich bin auch kein Fan von zerrissenen Jeans – aber man sollte ganz klar jeden Opernbesucher respektieren sowohl die leger gekleideten als auch die Menschen im Pelz – denn gerade an die großen Häuser und zur Festspielzeit sind die Karten sowieso nicht ganz einfach so zu erhalten, tendenziell würde ich sagen sind 98% der Leute in der Oper wirklich daran interessiert. Und das Interesse ist finde ich das Wichtigste – alles andere kann man ja ändern.
und p.s. besonders gut finde ich das besonders leise und lange auspacken von Bonbons – nachdem besonders leise der Reißverschluss der Tasche geöffnet wurde – während einer piano-Stelle!
Februar 6th, 2012 at 21:11
(Entschuldigt meine Rechtschreibfehler bitte, ich habe es erst jetzt beim Durchlesen gesehen!)
Februar 6th, 2012 at 21:38
Auch ich kleide mich lieber over- als underdressed.
Wobei ich im Grunde am liebsten Tweed trage. Im Theater, Ballett usw. ist dieses meines Erachtens auch tragbar.
Hier könnte die Dame dann ein passendes Kostüm tragen.
Natürlich trifft man Smoking, bzw. Ballkleid bei Opernveranstaltungen immer seltener an.
Leider.
Ich persönliche trage meinen geerbten (Großvater) Smoking zu gerne ( leider auch zu selten), so dass ich diesen zur Oper gerne trage.
Februar 6th, 2012 at 23:04
Liebe Anita, lieber Brockdorff,
natürlich habt ihr prinzipiell Recht! Man sollte niemals alle über einen Kamm scheren – aber man sammelt mit der Zeit doch einige Erfahrungen…. Und leider passen die Vorurteile doch oft wie Faust auf’s Auge. ;)
Ich zieh’ mich natürlich, wenn es der Anlass (Premiere, Salzburger Festspiele, Spielzeiteröffnungen, etc.) hergibt, auch gerne mal chic an, bin aber absolut keine Freundin davon, dass das ein Zwang ist. Wenn ich jedes Mal so einen Aufriss veranstalten würde, müsste ich vermutlich 50% meiner Opernbesuche streichen, weil ich’s zeitlich nicht schaffen würde….. Und so sehen das vermutliche viele Leute, die mehr als einmal im Monat in die Oper gehen.